#1 RE: Vorwort von sternenfrau 27.10.2007 19:54

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Vorwort

"Und da er auf dem Richterstuhl saß, schickte seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts zu schaffen mit diesem Gerechten; ich habe heute viel erlitten im Traum seinetwegen." (Matthäus 27,19) Die profane Geschichte der Menschheit ist ebenso wie die geistliche immer stark beeinflußt gewesen von Traumprophezeiungen. Genauso wie andere große Bücher historischer oder geoffenbarter Religionen zeugt die Bibel von einem allgemeinen, tief verwurzelten Glauben an Träume. Plato, Goethe, Shakespeare und Napoleon sprachen gewissen Träumen prophetische Bedeutung zu. Joseph sah elf Sterne des Tierkreises sich vor ihm, dem zwölften Stern, verbeugen.

Das Schicksal Ägyptens wurde angekündigt durch eine Vision von fettem und magerem Vieh. Die Eltern Jesu wurden durch einen Traum vor dem grausamen Edikt des Herodes gewarnt und flohen mit dem göttlichen Kind nach Ägypten. Die Frau des Pilatus empfahl ihrem Mann, angeregt durch einen Traum, sich nicht an der Verurteilung Jesu zu beteiligen. Die Propheten und diejenigen, die stets dem Quell des universellen Wissens am nächsten standen, machten sich die Träume weitaus häufiger zunutze als jeder Form der Erleuchtung. Plutarch berichtete, wie Augustus während einer Krankheit durch den Traum eines Freundes dazu bewegt wurde, sein Zelt zu verlassen, welches wenige Stunden später vom Feind eingenommen wurde - das Lager, auf dem er gelegen hatte, wurde von Schwertern durchbohrt.

Wäre Julius Caesar offener für Träume gewesen, hätte er den Warnungen seiner Frau Calpurnia geglaubt, die diese in ihren Träumen erfahren hatte. Es gibt drei reine Arten von Träumen, nämlich subjektive, physische und spirituelle. Sie beziehen sich auf die Vergangenheit, auf die Gegenwart und auf die Zukunft, und sind beeinflußt durch vergangene oder subjektive, physische und spirituelle Beweggründe. Die letztere Art des Traums wurde in alter Zeit stets als tief prophetisch angesehen, besonders dann, wenn ein solcher Traum einen lebhaften Eindruck im bewußten Denken hinterließ. Auch der subjektive Traum beinhaltet nach dem Glauben der Völker ein Element der Warnung und Prophezeiung, obgleich die wahre Bedeutung hier in Symbolen oder Allegorien verborgen ist.

Diese beruhen auf geistigen Bildern aus der Vergangenheit, die im Bewußtsein des Träumenden vorhanden sind. Auf dieser Weise findet er sich wieder in seinem alten Elternhaus und sieht seine Mutter grau und gealtert, oder frisch und gesund, den Rasen verwelkt oder grün. All dies verheißt, entsprechend dem Aspekt, den das Traumbild nahelegt, schlechte oder gute Erlebnisse. Physische Träume sind hinsichtlich ihrer prophetischen Kraft mehr oder weniger
bedeutungslos. Sie sind für gewöhnlich bestimmt vom Alltagsleben des Wachzustandes und können hierbei aber dem Träumenden eine Hilfe sein, wenn es um lange aufgeschobene Entscheidungen geht - das Unbewußte kann sich in solchen Träumen zu Wort melden und dem Träumenden mitteilen, was das Bewußte eigentlich will, ohne es zu wissen. Das vorliegende Buch ist eine Sammlung von Traumsymbolen und ihre Bedeutungen, wie sie sich im Glauben der Völker über Jahrtausende festgeschrieben hat.

Dies bezieht sich auf den "Volkstümlichen" Aspekt der Deutung. Als Quelle dienen der arabische, der europäische und der indische Kulturkreis, in denen sich naturgemäß für ein- und dasselbe Traumbild zum Teil völlig gegensätzliche Interpretationen durchgesetzt haben. Doch gerade der Vergleich dieser unterschiedlichen Kulturen, in denen sich so vieles Alltägliches, aber auch Religiöses und Weltanschauliches widerspiegelt, macht heutzutage die Beschäftigung mit der Traumdeutung interessant. Natürlich können nicht alle Traumbilder, die irgendwann einmal auftreten könnten, in einem Buch oder in einer Datenbank wie dieser aufgeführt werden, doch bietet die Fülle der Stichwörter, die hier aufgeführt sind, sicherlich in den meisten Fällen die Möglichkeit, sich zu vergewissern, was die traditionelle Traumdeutung mit dem jeweiligen Traum verbindet. Davon ausgehend möge der Leser selbst entscheiden, ob er sich von der einen oder anderen möglichen Interpretation des Traumes in seinen Entscheidungen leiten läßt, oder ob er sich lieber auf seinen gesunden Menschenverstand verläßt und die Interpretation seiner Träume als kuriose, aber immer interessante Nebensächlichkeit betrachtet.

Anlehnung an das Vorwort aus "Lexikon der Traumsymbole" von Helmut Werner

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