#1 RE: Hauswurz von sternenfrau 24.02.2008 18:25

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Hauswurz (Sempervivum tectorum)

Andere Namen
Dachwurz, Donnerbart, Wetterwurz, Hauslauch, Ohrenkraut

Pflanzensteckbrief
Aus einer dichten Rosette fleischiger Grundblätter erhebt sich vier bis fünf Jahren ein unverzweigter bis 40 cm hoher beblätterter Stängel mit Blütenköpfen aus zwölf sternförmig angeordneten rosaroten Kronblättern. Die Hauswurz blüht von Juli bis August auf Mauern, Kaminen, Felsvorsprüngen und in Bauerngärten; gesammelt werden die frischen Blätter während des ganzen Jahres.

Heilwirkung
Blätter und frisch gepreßter Saft gelten als harntreibend, krampfstillend, fiebersenkend und entzündungshemmend; äußerliche Anwendung bei Quetschunen und Verbrennungen, zur Hautpflege (Sommersprossen!) und Aufweichung von Hornhautverdickungen (Auflage der Blätter).

Heilwirkung im Volksglauben
Die Hauswurz war dem Gott Donar (Donnerbart) heilig und wurde zum Schutz gegen Blitz und Donner auf die Hausdächer gepflanzt; das getrocknete Kraut verbrannte man bei Gewitter im Herdfeuer.
Der Volksmund sagt dazu:
"Wer edlen Hauswurz hält in Ehren, der kann wohl manchem Übel wehren!"
Schon in der Landgüterordnung (Capituarle de villis) von 794, einer Vorschriftenscammlung Karls des Großen für seine Krongüter, die auch eine Heil- und Nutzkräuterliste enthält, heißt es im 70. Kapitel: Et ille hortulanus hebeat super domum suam Jovis barbam (Und der Gärtner soll über seinem Haus Jupiterbart (=Hauswurz) haben).
Ein Hinweis auf die Bedeutung als Blitzschutzkraut fehlt hier allerdings.
Anders jedoch bei Konrad von megenberg (1309-1374) in seinem "Buch der Natur": "die maister, die sich fleizend (befleißigen) zauberey, die spechent daz es (das Kraut) den donr unddaz himelplatzen verjag und dar umb pflanzet man ez auf den häusern".
Auch die Chemnitzer Rockenphilosophie (1707) teilt mit, dass die "Hauswurtzel vor Einschlagung des Wetters" Sicherheit gibt.
In Aussig (Böhmen) sprach man, wenn die Hauswurz aufs Dach gesetzt wurde, den Spruch:
"Du Hauswurz bist als Deck, halt Feuer und Flammen weg!"
Hauswurz legte man auch mit Palmkätzchen zusammen auf die Kohlen des Herdfeuers, wenn ein Gewitter nahte; sie mußte aber am Johannistag vom Dach herabgeholt worden sein. Die Hauswurz bringt dem Hause Glück, doch wenn man sie zur Blüte kommen läßt, wird jemand darin sterben. Hexen sammeln die Hauswurz für ihr Gebräu nur donnerstags (dem Tage Donars), denn sonst besitzt sie nicht die rechten Kräfte.

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