#1 RE: Lässt sich Menschenkenntnis trainieren? von sternenfrau 16.03.2012 12:31

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Lässt sich Menschenkenntnis trainieren?

Wie wir üben können, Lügen und Emotionen wie Aggression richtig zu erkennen und zu deuten

Das menschliche Gehirn ist ein regelrechter Gesichtsdetektiv. Ein ganzes hirnareal ist darauf spezialisiert, Gesichter zu erkennen, ihre Merkmale auszuwerten und im Bruchteil einer Sekunde mit gespeicherten Daten im Gedächtnis abzugleichen. Dazu spuckt das Sprachzentrum, wird die Person als bekannt identifiziert, sogar noch den passenden Namen aus, fertig. So selbstverständlich und doch faszinierend. Gleichzeitig werden weitere Neuronen aktiviert, die Informationen über die Mimik auswerten. Ist das Gegegenüber fröhlich, lacht es oder weint es, runzelt es die Stirn nachdenklich oder im Zorn? "Eine hochkomplexe, wenn nicht die komplexeste Aufgabe für unser Gehirn", sagt Lisa Feldman Barrett von der Northeastern University. "Aber es ist trotz der exzellenten Ausstattung des Gehirns keineswegs so, dass selbst die Grundemotionen wie Freude, Angst und Wut immer leicht erkannt werden", fügt die Forscherin hinzu. Fehlt nämlich der Kontext, wird es schwierig. Man kennt das von Sportlerporträts. Beispiel: Tennisstar Serena Williams. Auf einem Foto hat sie die Augen fest zusammengekniffen, den Mund weit aufgerissen. Sie sieht sehr wütend aus. Erst wenn man aus dem Ausschnitt des Gesichts herauszoomt und die zum Sieg geballte Faust sieht, erkennt man plötzlich: Ihr Gesichtsausdruck bedeutet nicht etwa Wut, sondern Triumph! Ohne dass es uns bewusst wird, scannt unter Gehirn eine Person in ihrer Gesamthiet auf bestimmte Signale, die Widersprüchlichkeit oder Mehrdeutigkeiten im Gesichtsausdruck ausgleichen. "Fallen diese Signale weg, kann es schwierig werden." Ein Stirnrunzeln kann Angst und in einem anderen Zusammenhang auch Ekel bedeuten, isoliert betrachtet sagt es also noch nicht viel aus. Eye-Tracking-Experimente haben zudem gezeigt, dass unser Hintergrundwissen bestimmt, auf welche Gesichtsregion wir unseren Blick fokussieren. Dies ist der Grund, weshalb man bei der Polizei anhand von Bildern trainiert, Emotionen wie Aggression oder Lüen richtig zu erkennen und zu deuten. Denn es ist möglich, seine Sinne zu schärfen. In vielerlei Hinsicht.

Quelle: TV Hören und Sehen, 4/12

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