#1 RE: Von der Magie des Glücks von sternenfrau 16.03.2012 10:39

avatar

Von der Magie des Glücks

Eine Feststellung, die in Interviews immer wieder gemacht wird ist: "...und jetzt sind Sie ein glücklicher Mensch...". Meine Reaktion folgt auf dem Fuße: "Habe ich gesagt, ich sei glücklich?"

Ich bin nicht glücklich, und die Suche nach dem Glück als oberstes Ziel gehört auch nicht in meine Welt. Solange ich denken kann, tue ich, was mir gefällt. Deshalb wurde ich bereits dreimal in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen, habe ich zwar wenige, aber grauenhafte Tage in den Kern der brasilianischen Militärdiktatur verbracht, habe ich Freunde und Freundinnen ebenso schnell gewonnen wie verloren. Ich habe Wege eingeschlagen, die ich, wenn ich noch einmal neu anfangen könnte, wahrscheinlich meiden würde, aber etwas hat mich immer vorangetrieben, und es war ganz gewiss nicht die Suche nach dem Glück. Wichtig ist für mich, im Leben Neues zu erfahren, mich interessieren Herausforderungen, der gute Kampf mit seinen Siegen und Niederlagen. Ich habe viele Narben davongetragen, aber ich schauche auch auf Augenblicke zurück, die ich nicht erlebt hätte, wäre ich nicht über meine Grenzen hinausgegangen. Ich stelle mich meinen Ängsten und Augenblicken von Einsamkeit und ich denke, ein glücklicher Mensch würde diese Erfahrungen nie machen. Wie auch immer: ich bin zufrieden. Und Freude ist nicht das Synonym für Glück, das mir eher wie ein lauer Sonntagnachmittag vorkommt, an dem es keine Herausforderungen gibt, nur Ruhe, die in wenigen Stunden zu Langeweile wird, die ewig gleichen Fernsehprogramme am Abend, die Aussicht, dass der Montag mit seiner Routine auf uns wartet.

Warum ich jetzt darüber spreche? Weil eine angesehene amerikanische Zeitschrift, deren Leitartikel normalerweise politischen Themen gewidmet ist, zu meiner Überraschung titelte: "Die Wissenschaft vom Glück: Liegt das Glück in Ihren Genen?" Neben dem Üblichen (Tabellen mit mehr oder weniger glücklichen Ländern, soziologischen Studien über die Suche des Menschen nach dem Sinn des Lebewns, einer Anleitung, in acht Stunden Harmonie zu finden) fanden sich im Artikel auch ein paar interessante Anmerkungen, die mich zu ersten Mal erkennen ließen, dass ich mit meiner Meinung nicht allein stehe:

a)
Länder, in denen das jährliche Pro-Kopf-Einkommen unter 10.000 Dollar liegt, sind Länder, in denen die meisten Menschen unglücklich sind. Die Forschungen haben allerdings auch ergeben, dass das Gefühl, glücklich zu sein, nicht von der Menge des Geldes abhängig ist. Eine wissenschaftliche Unteruschung hat gezeigt, dass die 400 reichsten Menschen der Welt nur wenig glücklicher sind als Menschen mit nur 20.00 Dollar Jahresgehalt. Die logische Folgerung: Armut in selbstverständlich inakzeptabel, aber das alte Sprichtwort "Geld allein macht nicht glücklich" wurde wissenschaftlich belegt.

b)
Das Gefühl, glücklich zu sein, ist nur ein weiterer Trick, den unsere Gene anwenden, um ihren einzigen Zweck zu erfüllen: Das Überleben der Spezies zu sichern. Um uns anzuhalten, zu essen oder Liebe zu machen, muss Lust mit ins Spiel kommen.

c)
Zwar sagen die Leute ständig von sich, sie seien glücklich, aber zufrieden ist trotzdem niemand. Man muss immer mit der hübschesten Frau befreundet sein, das größte Haus haben, ein neues Auto kaufen, das wünschen, was man nicht hat. Auch darin zeigt sich auf subtile Weise der Überlebenstrieb: In dem Augenblick, in dem die Menschen sich vollkommen glücklich fühlen, werden sie kaum etwas Neues wagen, und die Welt würde sich nicht weiter entwickeln.

d)
Daher hat auf der körperlichen Ebene (essen, Liebe machen) sowie auf der emotionalen Ebene (wünschen, was man nicht hat) die Evolution des Menschen eine wichtige, wesentliche Regel aufgestellt: Das Glück darf nicht andauern. Es wird immer nur einen Augenblick andauern, damit wir uns nicht darin einrichten, damit wir es uns niemals in einem Sessel gemütlich machen und die Hände in den Schoß legen.

Schlussfolgerung:
Es ist besser, den Gedanken aufzugeben, koste es, was es wolle, das Glück zu finden, und statt dessen interessante Dinge zu suchen - unbekannte Meere, fremde Menschen, provokante Gedanken, das Risiko. Nur so leben wir ganz und tragen etwas dazu bei, dass unsere westliche Welt in sich harmonischer und mit den anderen Kulturen in Frieden zusammen lebt. Selbstverständlich hat all dies seinen Preis. Aber es lohnt sich, ihn zu bezahlen.

Quelle: Paul Coelho Kolummne, TV Hören und Sehen, 05/12

#2 RE: Von der Magie des Glücks von carneol 29.03.2012 19:51

avatar

Ich finden es auch wichtiger Zufriedenheit zu erreichen anstatt das große Glück zu suchen.

Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen
Datenschutz