#1 RE: So etwas wie Liebe.... von sternenfrau 28.09.2011 15:03

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So etwas wie Liebe....

Über das Vermächtnis der Wölfe

Hier ist der Link zum Bild

Ein Junge kniet im Schnee und streckt zaghaft die Hand aus. Er ist vollkommen wehrlos in diesem Moment, und nichts schützt ihn, außer dem Vertrauen in das wilde Tier, das reglos über ihm steht. Es ist eine Wölfin. Unverwandt blickt sie auf das Kind hinab, doch im Augenblick dieser einen zarten Berührung wechseln tausend Emotionen zwischen den beiden: Stolz und Ehrfurcht, Dankbarkeit, ein wortloses Verständnis und vielleicht, wenn Tiere ebenso empfinden, auch so etwas wie Liebe....

Diese Szene ist ein Ausschnitt aus dem Film des Franzosen Nicolas Vaniewr: "Loup. Le film". Er erzählt die Geschichte des Nomadenjungen Serguei, der heimlich Freundschaft schließt mit einer Wölfin. Einer Wölfin, die er eigentlich töten müßte, weil sie eine Bedrohung für die herde seines Stammes darstellt. Die Geschichte ist ein Märchen, natürlich. Denn im wahren Leben schließen Menschen und Wölfe keine Freundschaft. Sie setzen nicht ihr eigenes Leben aufs Spiel, um einander zu retten, und sie erkennen auch niemals die Verbundenheit ihrer beiden Seelen. Was aber wäre, wenn Wolf und Mensch mehr verbände als eine jahrhundertealte Feinschaft? was würden wir erkennen in dem Blick eines Wolfes - tatsächlich das Wesen einer Bestie? Vielleicht. Vielleicht aber sähen wir auch die spuren einer anderen Wahrheit: Seit Beginn der Geschichtsschreibung wird in Europ über einen einzigen belegbaen Angriff eines Wolfes auf einen Menschen bereichtet. Im Gegenteil: Es gab eine zeit, in der Krieger diese Tiere als Schutzpatrone verehrten. Der Anblick eines Wolfes vor der Schlacht, so hieß es, bracht den Sieg und Schuhe aus ihrem Fell sollten Knaben zu tapferen Männern heranwachsen lassen. Die Usbeken und hunnen leiteten ihre Herkunft direkt von den Wölfen ab und die alten Türken betrachten bis heute eine Wölfin als ihr Urmutter.

Wölfe waen bis zur Entwicklung der Landwirtschaft die am weitesten verbreiteten Raubtiere dieser Erde. Ihre Streifgebiete umfassten Wüsten, Savannen und Polarregionen. Erst der Mensch trieb sie in die Wälder zurück. Innerhalb von 200 jahren rottete er die Tiere in Großbritannien, Dänemark und Deutschland vollständig aus. von einst 15 unterarten sind zwei nicht mehr existent, und nur eine einzige - der Polarwolf - ist nicht akut vom Aussterben bedroht. was also würden wir erkennen in dem Blick eines Wolfes - das Wesen einer Bestie? oder vielleicht doch, tief in unserem Herzen, die Last einer uralten Schuld...?

D. Teves

Quelle: Ein Foto und seine Geschichte, TV Hören und Sehen, 52/09

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