#1 RE: Der Unsichtbare von sternenfrau 18.08.2011 23:11

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Der Unsichtbare

Zum ersten Mal seit Jahrzehnten wurde ein Schneeleopard in freier Natur fotografiert

Hier ist der Link zum Bild

Das Foto auf dieser Seit hat mehr Auszeichnungen erhalten als alle Naturaufnahmen der vergangenen Jahre. Es gilt als das Beste, was einem Fotografen gelingen kann. In Wahrheit allerdings ist dieses Bilder weder künstlerisch wertvoll noch überagend in Anschnitt oder Technik. Es wurde nicht einmal von einem Menschen aufgenommen, sondern von einr Fotofalle in den Bergen Indiens. Ein Zufallstreffer, der ein wenig unscharf ist und ein bisschen zu dunkel. Und der uns zeigt, was Jahrzehte als unmöglich galt: einen Schneeleoparden in freier Wildbahn.

Die Nomaden des Himalaja nennen ihn "Bharal mar", das Pantom, denn es heißt, ein Schneeleopard sei selbst für einen Menschen, der neben ihm steht, noch unsichtbar. Und in der Tat ist keine andere Raubkatze so scheu: 1972 gelang einem US-Forscher die weltweit erste Aufnahme eines frei lebenden Schneeleoparden - es blieb fast 30 Jahre lang das einzige Foto. Selbst ein 1300-tägiger Versuch mit Fotofallen, der umfangsreichste aller Zeiten, brachte kein brauchbares Ergebnis. "Wir wissen nicht einmal, wie viele Schneeleoparden noch leben", sagt der Froser David Palmes. "Wir wissen nur, dass es zu wenige sind." Die Schätzungen liegen bei knapp 4500 Tieren - in einem Verbreitungsgebiet, das sich über elf Länder erstreckt und fünfmal so groß ist wie Deutschland. Schneeleoparden sind damit die am meisten gefährdeten Katzen der Welt. Allen Schutzmaßnahmen zum Trotz werden jedes Jahr noch immer rund 100 Tiere von Wilderern getötet. Aus ihren Fellen werden Mäntel gemacht - 16 Katzen pro Stück -, die umgerechnet 40.000 Euro auf dem Schwarzmarkt bringen. In Chia wird Schneeleoparden-Eintopf für zehn Euro pro Portion antgeboten; in Kirgisien wechselt ein Fell gegen ein Pferd oder drei Schafe den Besitzer. "Diese Katzen sterben einen lautlosen Tod", sagt David Palmes. "Ihr Bestand sank in den vergangenen Jahen um bis zu 80 Prozent. Schneller hat der Mensch nie zuvor in der Geschichte ein Lebewesen ausgerottet".

Mit den Phantomen gehen auch ihre Geheimnisse: Bis heute wissen Forscher nicht einmal, wie Schneeleoparden überhaupt zu klassifizieren sind; sie brüllen nicht, klettern kaum und greifen niemals Menschen an. Es gibt Geschichten über gefangene Schneeleoparden, die von Jägern einfach fortgetragen wurden, weil sie sich nicht wehrten. Wieder andere, die erzählen, dass sie ihre Verfolger gar zum Spielen aufforderten. Was die Wahrheit auch sein mag - sie liegt in der Seele einer Katze, die sich der Welt entzieht. "Dass der Schneeleopard ist, dass er hier ist und uns aus frostigen Augen beobachtet", schrieb einest der Abenteurer Peter matthiessen, "das genügt". Möge es so bleiben.

D. Teves

Quelle: TV Hören und Sehen 11/09

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