#1 RE: Mit dem Sonderzug zum Holzklauen von sternenfrau 29.01.2009 13:13

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Mit dem Sonderzug zum Holzklauen

Eine Geschichte aus dem "Königlich-bayerischen Amtsgericht" oder ein Fall für die Rosenheim-Cops?

Ein 53-jähriger war als Eisenbahnbeamter lange ohne Fehl und Tadel als Lokführer unterwegs. Bis zu einem Wintertag, an dem er mit seinem Zug, der Chiemgaubahn, nachmittags zwischen Prien und Aschau pendelte. Längs der Bahngleise rodeten Arbeiter im Auftrag der DB das Gehölz am Bahndamm. Schönes Holz für seinen Kachelofen, dachte sich der 53-jährige. In einer Pause erkundigte sich der Lokführer bei den Holzarbeitern, ob er sich für seinen Kachelofen vielleicht ewas Brennholz mitnehmen könnte. Die Arbeiter der Privatfirma stimmten angeblich generös zu - kein Problem, denn das Holz gehörte nicht ihnen, sondern der Deutschen Bahn. Sie waren später freilich nicht mehr zu ermitteln.

Der Eisenbahner wollte nun zunächst auf der letzten Fahrt nach Aschau, die dort planmäßig um 0.11 Uhr endet, das Holz mitnehmen. Da meist keine Fahrgäste mehr mitfahren, wäre es - so seine Überlegung - nicht aufgefallen, wenn er unterwegs stehen geblieben, den Personenzug mit Holz gefüllt und mit ein wenig Verspätung sein Ziel erreicht hätte. Sein Pech: Ausgerechnet an diesemTag saßen zwei Reisende nach Aschau im Waggon. Der Lokführer disponierte um: Kurz nach Mitternacht fuhr er mit dem Zug in den Wald zurück und lud bei den Haltepunkten Vachendorf und Urschalling insgesamt ein Ster Brennholz auf. Dann fuhr er wieder nach Aschau zurück, stellte den Triebwagen ab und lud sein Brennholz aus.

Er hatte besonders clever sein wollen, aber gerade dadurch flog der ungenehmigte "Holzsonderzug" auf: Um nicht aufzufallen, war er ohne Licht gefahren, obwohl er wegen zweier zu passierender Bahnübergänge damit Sicherheitsvorschriften gravierend verletzte.

Anwohner freilich ärgerten sich, dass ein unbeleuchteter Triebwagen mitten in der Nacht mit laufendem Motor auf dem Strecke stand, und beschwerten sich bei der Deutschen Bahn. Die prüfte den Fall und reagierte konsequent: DB Regio stellte fest, dass ihr Lokführer für die zusätzlich befahrene Strecke von 15 Kilometer Diesel im Wert von 12,13 Euro verbraucht hatte.

Die Deutsche Bahn zeigte ihren Lokführer nun wegen Diebstahls "einer geringwertigen Sache" an. Die Staatsanwaltschaft erließ einen Strafbefehl, dem der Lokführer aber widersprach. In der Verhandlung vor dem Amtsgericht Rosenheim zeigte die Amtsrichterin viel Verständnis für den Lokführer und sprach ihn frei. Die Begründung: Der Angeklagte habe bei der Fahrt nicht an den Dieselverbrauch gedacht, zudem hätte er die Holzstöße nur über die Bahntrasse wieder gefunden. Außerdem sei sein ursprünglicher Plan, das Holz in den Regelzug einzuladen, wegen der Fahrgäste nicht mehr durchführbar gewesen.

Während im "Königlich-bayerischen Amtsgericht" Ankläger und Angeklagter nach dem Prozess einträchtig im Biergarten zusammensitzen, verlief hier das Ende weniger harmonisch: Der Staatsanwalt hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Der Lokführer arbeitet inzwischen bei einem anderen DB-Unternehmen.

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