#1 RE: Frauenmantel von sternenfrau 07.11.2007 10:11

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FRAUENMANTEL (Alchemilla vulgaris)

Im Volksmund als Frauenmänteli, Frauenhilf, Herrgottsmäntelchen, Marienkraut, Muttergottesmantel, Taublatt, Tauschüsselchen, Tränenschön oder als Weiberkittel bekannt, wächst vor allem an Wald- und Wegrändern, Hängen und feuchten Wiesen in höheren Lagen und Gebirgsgegenden. Die Pflanze hat halbkreisförmige, sieben- bis neunlappige Blätter mit einem festen, nicht allzu hohen Stängel und unscheinbare, gelbgrüne Blüten, die von April bis Juni, aber auch noch später zu sehen sind. Für Fronleichnam bindet man in manchen Gegenden Kränzlein davon, um dann das Haupt des Erlösers im Herrgottswinkel
zu schmücken. Die Blätter des Frauenmantels liegen manchmal flach am Boden und am Morgen zeigt sich in der Mitte ein Tautropfen, schimmernd wie eine Perle. In Höhen über tausend Meter finden wir den Silbermantel, der sowohl auf Kalk- als auch auf Urgesteinsböden gedeiht. Man sammelt von beiden Pflanzen das ganze Kraut in der Blütezeit, später auch nur die Blätter und läßt alles am Dachboden trocknen. Die Namen allein schon sagen, dass die Pflanze vor allem als Frauenkraut hochgerühmt ist. Seit unserer christlichen Zeit ist sie der Jungfrau Maria geweiht.

Nicht nur, dass der Frauenmantel bei Menstruationsstörungen, Weißfluß, Unterleibsbeschwerden und Unpäßlichkeit in den Wechseljahren sich wohltuend auswirkt, er hilft auch in der beginnenden Pubertät gemeinsam mit Schafgarbe die Periode günstig zu beeinflussen. In Fällen, in denen sich bei jungen Mädchen die monatliche Regel trotz ärztlicher Medikamente nicht einstellen will, ist es der Frauenmantel zusammen mit Schafgarbe (zu gleichen Teilen gemischt), der alles ins richtige Lot bringt.

Frauenmantel wirkt zusammenziehend und sehr rasch heilend, man verwendet ihn auch als wassertreibendes und herzstärkendes Mittel, bei Wundfieber, eitrigen Wunden und vernachläßigten Geschwüren. Nach dem Zahnziehen ist Frauenmanteltee als eines der besten Mittel zu empfehlen. Innerhalb eines Tages heilt nach mehrmaligen Spülungen die Wunde zu. Er behebt Muskel- und Gliederschwäche und hilft bei Blutarmut.

Bei Verletzungen nach der Entbindung, bei Erschlaffung des Unterleibs der Frauen, die schwere Geburten haben oder bei Neigung zu Fehlgeburten zur Festigung der Frucht und zur Stärkung der Gebärmutterbänder ist der Frauenmantel der große Helfer. Ab dem dritten Monat sollten solche Frauen
Frauenmanteltee trinken. Er ist ein Allheilmittel bei allen Frauenkrankheiten und hilft gemeinsam mit dem Hirtentäschel selbst bei Gebärmuttervorfall und Leistenbrüchen. Bei den letztgenannten Fällen trinkt man vier Tassen Frauenmanteltee, den man möglichst mit frisch gepflückten Kräutern bereitet, tagsüber schluckweise. Außerdem massiert man die betroffenen Stellen mit Hirtentäscheltinktur (siehe bei »Hirtentäschel« unter »Anwendungsarten), bei Gebärmuttervorfall beginnt man mit der Einreibung äußerlich von der Scheide aufwärts. Hier werden zusätzlich Schafgarben-Sitzbäder (100 g Kräuter für ein Bad; wöchentlich im ganzen drei Bäder, da das Badewasser, angewärmt, noch zweimal verwendet werden kann) angewendet.

Unsere Vorfahren verwendeten die Pflanze als Wundkraut, innerlich und äußerlich, bei Epilepsie und gegen Brüche. Hier ein Zitat aus einem sehr alten Kräuterbuch: »So ein Mensch gebrochen ist, er sey jung oder alt, der lasse zwo handvoll Taumäntli in einer Maß Wasser sieden solange als man ein hartes Ei siedet und trinke davon.> In der heutigen Volksmedizin nimmt die Pflanze wieder ihren anerkannten Platz ein. Besonders der Schweizer Pfarrer Künzle hebt hervor: »Zwei Drittel aller Frauenoperationen würden bei frühzeitiger und längerer Anwendung dieses Heilkrautes gänzlich überflüssig; denn es heilt alle Unterleibsentzündungen, Fieber, Brand, Eiterung, Geschwüre und Brüche. Jede Kindbetterin sollte 8 bis 10 Tage recht viel von diesem Kraut trinken, manche Kinder hätten dann noch ihre Mutter und mancher geschlagene Witwer seine Frau, wenn sie diese Gottesgabe gekannt hätten. Äußerlich, zerquetscht und aufgelegt, heilt das Frauenmänteli Wunden, Stiche, Schnitte. Kinder, die trotz guter Kost immer schwache Muskeln haben, werden stark durch fortgesetzten Gebrauch dieses Tees.>

Der Frauenmantel, der in höheren Lagen wächst, wird im Volksmund auch Silbermantel genannt, weil die Unterseite der Blätter silbrig glänzt. Der Silbermantel ist besonders bei Fettleibigkeit anzuwenden. Zwei bis drei Tassen täglich wirken sich sehr günstig aus. Auch bei schlechtem Schlaf leistet er gute Dienste; Zuckerkranke sollten oft davon trinken. Schwächliche Kinder kräftigen sich zusehends, wenn man ihrem Badewasser Frauenmantel- oder noch besser Silbermantelansatz beifügt. Auf ein Bad nimmt man ca. 200 g Kräuter (siehe Allgemeiner Teil unter Vollbäder. Im Verein mit Hirtentäschel nimmt der Frauenmantel, wie im Artikel »Hirtentäschel« ausgeführt, Muskelschwund und schwere, unheilbare Muskelerkrankungen. Auch bei Multipler Sklerose wird diese hochwertige Heilpflanze eingesetzt.

Aus dem Burgenland wurde mir berichtet, dass Frauenmanteltee, innerlich getrunken und äußerlich zu Herzwaschungen verwendet, bei schwerem Herzmuskelschaden in kurzer Zeit eine bedeutende Besserung brachte. So hat unser Schöpfer in SEINER Gnade für alle Krankheiten ein Kräutlein wachsen lassen; wir können IHM nicht genug dafür danken!

ANWENDUNGSARTEN

Teebereitung:

1 gehäufter Teelöffel Kräuter auf 1/4 Liter Wasser, nur brühen, kurz ziehen lassen.

Kräuterauflage:

Eine entsprechende Menge frischer Kräuter wird kurz gewaschen, mit einem
Nudelwalker auf Holz zerquetscht und aufgelegt.

Badezusatz:

Für ein Vollbad nimmt man 200 g getrocknete oder einige Doppelhände frische Kräuter, setzt sie in einem Eimer mit kaltem Wasser über Nacht an, erwärmt am nächsten Tag alles und gießt die Flüssigkeit dem Badewasser zu (siehe auch Allgemeiner Teil unter Vollbäder.

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