#1 RE: Kamille von sternenfrau 06.11.2007 11:59

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KAMILLE ( Matricaria chamomilla)

Sie führt auch die Namen: Echte Kamille, Feldkamille, Kornkamille, Mutterkraut, Hermelin, Hermünzel, Drudenkraut und Hermel. Sie wächst auf Äckern, lehmigen Böden, Waldwiesen, Halden, in Getreide-, Mais-, Klee-, Kartoffel- und Rübenfeldern. Durch die überhand nehmende Kunstdüngung
und chemische Unkrautbekämpfung wird unsere wertvolle Kamille immer mehr und mehr verdrängt. Nach schneereichen Wintern und feuchten Frühjahren ist sie besonders häufig anzutreffen. Der Blütenboden ist zum Unterschied von wilder Kamille hohl, der Geruch würzig und wohltuend. Eine nähere Beschreibung ist wohl bei dieser bekannten Pflanze nicht notwendig. Man sammelt die Blütenköpfe von Mai bis August am besten in der Mittagssonne. Es ist keine Übertreibung, wenn ich die Kamille als »Allheilmittel> besonders bei Kleinkindern anführe. In jedem Falle sollte man dem Kind Kamillentee verabreichen, vor allem bei Krämpfen und Leibschmerzen. Er hilft bei Blähungen, Durchfall, Ausschlägen, Magenleiden und -verschleimung, bei Menstruationsstörungen, Ausbleiben der monatlichen Regel und bei anderen Unterleibsbeschwerden, bei Schlaflosigkeit, Nebenhodenentzündung, bei Fieber, Wund- und Zahnschmerzen.

Die Kamille wirkt schweißtreibend, beruhigend und krampfstillend, außerdem desinfizierend und entzündungshemmend bei Entzündungen aller Art, besonders der Schleimhäute. Äußerlich verwendet man als Umschläge und Waschungen die Kamille bei entzündeten Augen, Bindehautentzündungen, bei juckenden und nässenden Hautausschlägen, zum Gurgeln bei Zahnschmerzen, zu Waschungen von Wunden. Bei einem Ärger sollte man sich jedesmal eine Schale Kamillentee brühen; die Beruhigung tritt sofort ein, bevor noch das Herz Schaden erleidet. Sehr zu empfehlen ist ein trockenes Kräuterkissen als warme Auflage auf schmerzende Stellen.

Beruhigend wirken Kamillenbäder und -waschungen, die besten Einfluß auf das gesamte Nervensystem haben. Nach schweren Erkrankungen oder Erschöpfungszuständen werden Sie sich bald wohlfühlen und innere Ruhe verspüren. Bei Ihrer Schönheitspflege sollten Sie die Kamille nicht vergessen.
Wöchentlich einmal ein Gesichtsbad mit Kamillenabsud und Sie werden sehen, wie Ihre Haut aufblüht und Sie eine frische Gesichtsfarbe erhalten. Auch zur Haarpflege sollten Sie Kamillenabsud verwenden, besonders, wenn Sie blondes Haar besitzen. Durch solche Waschungen wird Ihr Haar duftig und erhält einen schönen Glanz.

Kamille erleichtert den Stuhlgang ohne abführend zu wirken und ist so indirekt zur inneren Behandlung der Hämorrhoiden geeignet, die mit Kamillensalbe auch äußerlich behandelt werden können. Auch zur Wundheilung kann man diese Salbe verwenden. Schnupfen und Nebenhöhlenkatarrh bessern sich bald, wenn man Kamillendämpfe einatmet. Nach einer solchen Behandlung muß man selbstverständlich im Warmen bleiben.

Kamillenöl verwendete man schon in der Antike zum Einreiben bei Neuralgien und Gliederreißen. Bei den alten Ägyptern galt die Kamille wegen ihrer Feber- und hitzedämpfenden Kraft als die Blume des Sonnengottes. - Der Name Matricaria leitet sich vom Lateinischen mater = Mutter ab; war doch das
Mutterkraut bei Krankheiten der Mütter und Frauen im Gebrauch! In alten Kräuterbüchern liest man, dass das Kamillenöl die Müdigkeit der Glieder wegnimmt und Kamillen, im Wasser gesotten, auf die kranke Blase gelegt, die Schmerzen lindern.

Der Schweizer Kräuterpfarrer und Naturarzt Johann Künzle erzählt von einer Frau im Dorf, die man die Kamillenhexe nannte und die die Kranken in ihren Nöten aufsuchten; fünf Schwerhörigen verhalf sie wieder zu ihrem Gehör, indem sie eine Meerzwiebel (erhältlich in Gärtnereien) in Kamillenöl briet und dann das warme Öl öfters ins Ohr träufeln ließ.

Diese »Kamillenhexe« brachte gelähmte Glieder durch Kamillenöl Einreibungen wieder in Bewegung. Gegen Augenschmerzen ließ sie Kamillen in Milch sieden und als warmen Umschlag über die geschlossenen Augen legen, die dann in kurzer Zeit heilten. Und weiter berichtet Pfarrer Künzle: »Ein Weber konnte nur noch sitzend schlafen; er glaubte, ersticken zu müssen. Die Kräuterfrau sah sich den Mann an und meinte, bei ihm gehe kein Wasser ab, was er bejahte. Er mußte sofort eine große Flasche Wein, der mit Kamille gesotten war, trinken, morgens und abends je ein Glas voll. Es ging eine unglaubliche Menge Urin ab, zuerst trüb, dann immer klarer; nach acht Tagen war er geheilt.

ANWENDUNGSARTEN (Kamille)

Teebereitung:

1 gehäufter Teelöffel auf 1/4 Liter Wasser, nur brühen, kurz ziehen lassen.

Badezusatz:

Für Wannenbäder nimmt man zwei Doppelhände, für Gesichtsbäder und Kopfwaschungen je eine Handvoll Kamillenblüten, brüht ab und läßt ziehen.

Umschläge:

1/o Liter kochende Milch wird über einen gehäuften Eßlöffel Kamille gegossen, kurz ziehen lassen, abseihen und damit warme Umschläge machen.

Kamillendämpfe:

Einen gehäuften Eßlöffel Kamille brüht man mit einem Liter kochendem Wasser ab. Unter einem Handtuch atmet man die Dämpfe ein.

Kräuterkissen:

Ein Leinensäckchen wird mit getrockneten Kamillenblüten gefüllt und zugeheftet. In einer trockenen Pfanne gut erwärmen und auflegen.

Kamillenöl:

Ein Fläschchen wird locker bis zum Hals mit in der Sonne gepflückten, frischen Kamillenblüten gefüllt und mit kaltgepresstem Olivenöl übergossen. Das Öl muß die Blüten bedecken. Die Flasche läßt man gut verschlossen 14 Tage in der Sonne stehen. Im Kühlschrank aufbewahren!

Kamillensalbe:

250 g Schweinefett erhitzt man wie zum Ausbacken, gibt eine gehäufte Doppelhand frischer Kamillenblüten hinein; es schäumt auf, man rührt um, deckt zu und stellt das Ganze über Nacht in einen kühlen Raum. Am nächsten Tag nochmals leicht anwärmen und durch ein Leinentüchlein pressen. Erfahrungsgemäß geht man am besten so vor: man legt ein Leinentüchlein in ein Sieb, hängt dieses über ein Schnabelgefäß und presst aus. Die Salbenmasse wird
dann gleichmäßig verrührt und in saubere Gläser oder Tiegel gegossen.

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