#1 RE: 10. Um Freiheit zu gewinnen, Freiheit gewähren von sternenfrau 29.05.2008 17:04

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X. Um Freiheit zu gewinnen, Freiheit gewähren

Das höchste Ziel aller Menschen ist Vollkommenheit, und wer diesen Zustand erreichen möchte, muss zuvor lernen, sich durch keine Erfahrung aus dem inneren Gleichgewicht und durch keine Störung oder Versuchung von seinem Kurs abbringen zu lassen. Erst wenn uns dies gelingt, können uns die Schwierigkeiten, Nöte und Leiden des Lebens nichts mehr anhaben. Ein solcher Mensch ist innerlich erfüllt von vollkommener Liebe, von Weisheit, Mut, Toleranz und Verständnis, und alles dies verdant er dem Umstand, dass er alles weiß und alles sieht. Denn der vollkommene Meister zeichnet sich dadurch aus, dass ihm nichts in seinem Bereich fremd ist.

Wir sind durchaus imstande, unsere Lebensreise zu einem kurzen beglückenden Abenteuer zu machen, sofern wir erkennen, das wir unsere Ketten nur abwerfen können, wenn wir Freiheit gewähren. wir befreien uns, indem wir den anderen die volle Freiheit geben. Denn lehren kann man nur durch das eigene Beispiel. Erst wenn wir jedem Menschen, mit dem wir zu tun haben, die volle Freiheit zugestehen, erst wenn wir allen Lebewesen und allen dingen um uns her ihre Freiheit lassen, erst dann sind wir auch selbst frei. Erst wenn wir feststellen, dass wir keinerlei Bedürfnis mehr verspüren, andere zu beherrschen, zu kontrollieren oder zu beeinflussen, werden wir auch in unserem eigenen Leben von Übergriffen verschont bleiben, denn Fesseln legen uns nur jene an, die wir selbst knechten möchten. Es war einmal ein junger Mann, der sich so sehr an seine Besitztümer klammerte, dass er selbst ein göttliches Geschenk nicht mehr entgegennehmen konnte.

Wir können uns so leicht aus der Beherrschung durch andere lösen, erstens indem wir ihnen völlige Freiheit zugestehen und zweitens indem wir ihnen sehr vorsichtig und liebevoll zu verstehen geben, dass wir uns nicht unterdrücken lasen. Lord Nelson verhielt sich sehr weise, als er einmal mit seinem blinden Auge in ein Teleskop hineinsah. Weder Gewalt noch Groll, noch Hass oder Unfreundlichkeit sind nötig. Unsere Gegner sind unsere Freunde, sie machen das ganze Spiel doch erst zum Genuss, und am Ende des Wettkampfs schütteln wir ihnen die Hände.

Wir dürfen von anderen nicht erwarten, dass sie tun, was wir uns wünschen, denn aus ihrer Sicht sind ihre Vorstellungen ja durchaus richtig, und wenngleich ihr Weg einen anderen Verlauf nehmen mag als der unsrige, am Ende der Reise wartet auf uns alle das gleiche Ziel. Immer wieder können wir feststellen, dass wir selbst es sind, die den Streit vom Zaun brechen, wenn wir von anderen verlangen, sie sollten sich unseren Wünschen entsprechend verhalten.

In gewisser Hinsicht könnte man den Menschen mit einem Frachtschiff vergleichen, das einen bestimmten Zielhafen ansteuert. Das eine fährt nach Afrika, ein anderes nach Kanada und ein drittes vielleicht nach Australien. Und am Ende der Reise kehrt ein jedes in seinen Heimathafen zurück. Warum sollen wir einem anderen Schiff nach Kanada hinterherreisen, wenn unser eigentliches Ziel Australien is? Was für eine Zeitverschwendung.

Noch einmal: Vielleicht ist uns gar nicht bewußt, von welch bedeutungslosen Dingen wir uns in unserer Freiheit behindern lassen, aber genau die Dinge, die wir festzuhalten versuchen, halten uns fest. Vielleicht handelt es sich um ein Haus, einen Garten, ein Möbelstück - aber selbst diese Dinge haben ein Anrecht auf Freiheit. Weltlicher Besitz ist vergänglich und gibt ständig Anlass zu Angst und Sorge, denn innerlich wissen wir ja doch, dass wir das alles einmal verlieren werden. Wir können uns an diesen Dingen erfreuen, sie bewundern und nach Kräften nützen, dürfen ihnen jedoch nicht so viel Wert beimessen, dass sie uns zur Fessel werden. Wenn wir jedermann und alles um uns her loslassen, so stellen wir bald fest, dass wir an Liebe und Besitz mehr zurückbekommen, als wir je zuvor besessen haben, denn die Liebe, die die Freiheit gewährt, ist jene große Liebe, die alles um so enger miteinander verbindet.

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